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Geduld

26/10/2016

Es ist für mich nicht immer leicht, mich in Geduld zu üben. Geduld zu haben bedeutet, langmutig zu warten. Warten auf eine Verbesserung. Hoffen auf eine Verbesserung und einen Fortschritt. Standhaft und gelassen zu bleiben, auch wenn die äußerlichen Umstände nach härteren Bandagen schreien.

Wie lernt man, geduldiger zu sein? Muss man überhaupt immer geduldig sein?

 

Ich denke bei Geduld und Langmut unwillkürlich an "Abhyasa" und "Vairagya".

Die beiden Begriffe erscheinen sowohl im Yoga Sutra des Patanjali, als auch in der Bhagavad Gita als die beiden „Flügel“ der persönlichen spirituellen Entwicklung.

„Wer seinen Geist diszipliniert und seine Sinne im Griff hat, kann sich inmitten der Welt frei bewegen, frei von Wollen oder Nichtwollen, in völlig innerer Stille. In dieser Stille fallen alle Sorgen von ihm ab. Denn die Weisheit gründet im stillen Geist“ (Krishna, aus: „ Die Bhagavad Gita“ von Ralph Skuban, Seite 55)

Abhyasa (beharrliches Üben) und Vairagya (Gleichmut, Losgelöst Sein) sind die Grundvoraussetzungen für das Erlangen von Einheit und Ruhe in Bezug auf unseren Geist, seine Gefühle und Gedanken.

"Beharrliches Üben" bedeutet hier, ein Ziel (mit Hingabe und Achtsamkeit!) im Auge zu behalten, während "Gleichmut" dabei die Kompetenz darstellt, zwar dranzubleiben, aber den Dingen auch ihren Lauf zu lassen, Unvorhergesehenes (Steine auf dem Weg, Umwege, ...) geschehen zu lassen oder als Impuls sehen und stehen lassen zu können.

 

Die Natur lebt uns dieses Sein und Werden ständig vor, an (in und mit) ihr können wir beobachten und lernen, wie ein Leben im Einklang fließen und sich permanent entwickeln kann.

Die Balance zu halten ist die eigentliche Kunst, um das endgültige Losgelöst Sein leben zu können.

"Losgelöst-Sein, Vairagya, und Praxis oder Übung, Abhyasa, sind wie zwei Flügel, die uns in die Stille tragen" (aus: "Patanjalis Yogasutra" von Ralph Skuban, Seite 31).

Im Grunde ist jede achtsame Yoga Praxis ein Weg zu Vairagya, und wenn dieser praktizierte Yoga eine Lebenseinstellung wird, wird jede einzelne Tätigkeit des Körpers und des Geistes zu einem Weg zu Vairagya. Yoga bietet uns dafür eine Anleitung, ähnlich einer Gebrauchsanleitung fürs Leben.

 

Wenn wir es schaffen, diese Balance zu leben, können wir über unsere Ungeduld hoffentlich nur noch milde und weise lächeln.

 

 

 

 

 

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